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Auf der 3. Chinesisch-Europäischen Konferenz für ESG-Best-Practices in Unternehmen erläuterte der Präsident von LONGi Europe, warum koordinierte Energiesysteme, erneuerbare Energien und internationale Zusammenarbeit für die Dekarbonisierung der Industrie unerlässlich werden.
Die rasche Expansion erneuerbarer Energien hat die Fragestellungen der globalen Energiewende verändert. Nach Jahren des starken Ausbaus sind viele Märkte weniger durch die Fähigkeit zur Erzeugung sauberen Stroms eingeschränkt als vielmehr durch die Fähigkeit, diesen effizient zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zu nutzen.
Auf dem Unterforum „Zero-Carbon Parks“ der 3. Chinesisch-Europäischen Konferenz für ESG-Best-Practices in Unternehmen nahm Jia Chao, Präsident des Europe Business Center von LONGi, an der Podiumsdiskussion „Fallstudien – Internationale Kooperationserfahrungen bei der Entwicklung von CO2-neutralen Industrieparks“ teil. Gemeinsam mit Vertretern aus Regierung, Industrie, Finanzwesen, Zertifizierungsstellen und Technologieunternehmen wurde erörtert, wie internationale Zusammenarbeit die Entwicklung von CO2-neutralen Industrieparks beschleunigen und die Dekarbonisierung der Industrie unterstützen kann.

Jia traf sich mit Vertretern von Bosch, TÜV Rheinland, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Garbe Industrial, der China Construction Bank und anderen Organisationen, um praktische Ansätze zur Dekarbonisierung der Industrie zu erörtern. Er argumentierte, dass CO2-neutrale Industrieparks nicht allein durch die Erzeugung erneuerbaren Stroms definiert würden. Ihr Erfolg hinge zunehmend von intelligenten Energiesystemen ab, die in der Lage sind, Solarenergie, Energiespeicherung, digitales Energiemanagement und industrielle Nachfrage zu integrieren.
Die Energiewende hat einen Wendepunkt erreicht
Laut Jia sollten die aktuellen Herausforderungen auf den Märkten für erneuerbaren Strom nicht als Scheitern der Energiewende interpretiert werden. Vielmehr zeigen sie, wie erfolgreich die erste Phase war. Netzengpässe, negative Strompreise, Redispatch-Maßnahmen und Perioden der Überschusserzeugung kennzeichnen einen strukturellen Wandel auf dem Energiemarkt. Viele Jahre lang hatte der Ausbau erneuerbarer Energien in großem Maßstab Priorität. Diese Phase war notwendig und erfolgreich. Die nächste Aufgabe wäre anders: Erneuerbarer Strom müsste intelligenter gespeichert, verteilt und verwaltet werden.
In diesem Kontext werden Speicherung, digitales Energiemanagement und Power-to-X-Lösungen zu Kernelementen zukünftiger Energiesysteme. Sie ermöglichen es Unternehmen, Abregelungen zu reduzieren, den Eigenverbrauch zu erhöhen, die Nachfrage zu stabilisieren, Spitzenlasten zu senken und die bestehende Netzinfrastruktur effizienter zu nutzen.
CO2-neutrale Industrieparks beginnen mit Maßnahmen auf Unternehmensebene
Jia betonte auch, dass CO2-neutrale Industrieparks nicht allein mit der Infrastruktur beginnen würden. Sie würden mit den Unternehmen in ihnen beginnen.
Jedes Unternehmen müsste zunächst die Emissionen im eigenen Betrieb reduzieren und den Anteil erneuerbaren Stroms im eigenen Energiemix erhöhen. Nur dann könnte die Zusammenarbeit innerhalb eines Industrieparks zusätzlichen Wert schaffen.
Industrieparks können effektiver werden, wenn Unternehmen die Erzeugung erneuerbarer Energien, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und Energiemanagementsysteme gemeinsam nutzen. Eine solche Koordination kann dazu beitragen, erneuerbaren Strom länger im lokalen Ökosystem zu halten. Sie kann auch Spitzenlastkappung, Notstromversorgung, Lastmanagement und eine bessere Nutzung der verfügbaren Netzkapazität unterstützen.
Für LONGi macht dies die Speicherung zu einem zentralen Bestandteil der industriellen Dekarbonisierung. Sie ist nicht nur eine zusätzliche Produktkategorie. Sie ist eine der Technologien, die es ermöglichen, dass erneuerbarer Strom für Industriekunden nützlicher wird.

ESG hängt von vernetzten industriellen Ökosystemen ab
Das Panel befasste sich auch mit der Rolle von ESG bei der industriellen Transformation. Jia argumentierte, dass ESG nicht auf Berichterstattung oder Compliance reduziert werden sollte. Es müsste ein praktischer Rahmen für die Zusammenarbeit entlang industrieller Wertschöpfungsketten werden.
Dies würde eine transparente CO2-Bilanzierung, Lebenszyklusanalyse, gemeinsame Standards, Zertifizierungssysteme und zuverlässige Daten erfordern. Es erfordert auch die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Lieferanten, Infrastrukturbetreibern, Zertifizierungsstellen und Entwicklern von Industrieparks.
Dasselbe Prinzip würde für die Energieinfrastruktur gelten. Photovoltaik, Speicherung, digitales Energiemanagement und industrielle Nachfrage sollten nicht als isolierte Elemente geplant werden. Sie müssen als Teile eines Systems funktionieren, sagte Jia und fügte hinzu, dass eine zuverlässige Dekarbonisierung von einer intelligenten Koordination im gesamten Energiesystem abhängen würde. Intelligente Energiesysteme würden die technologische Grundlage für diese Integration bilden.
Europa und China bringen komplementäre Stärken ein
Internationale Zusammenarbeit war ein weiteres wichtiges Thema der Diskussion. Jia beschrieb beide Regionen als Akteure mit unterschiedlichen Stärken.
Chinesische Unternehmen würden Fertigungskapazitäten, Technologieentwicklung und Implementierungserfahrung einbringen. Europäische Unternehmen und Institutionen würden Fachwissen in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen, Energieeffizienz, Zertifizierung, Lebenszyklusanalyse, nachhaltiges Gebäudedesign und international anerkannte ESG-Rahmenwerke beisteuern.
Laut Jia würden praktische CO2-neutrale Industrieparks entstehen, wenn diese Fähigkeiten kombiniert werden. Solche Projekte könnten Modelle schaffen, die nicht einfach anderswo kopiert, sondern an unterschiedliche Märkte, Vorschriften und Industriestrukturen angepasst würden. Seine umfassendere Botschaft war, dass die Dekarbonisierung nicht von einem Unternehmen, einer Technologie oder einem Land gelöst werden kann. Es ist eine Systemherausforderung, die eine systemische Antwort erfordert.
Praktische Meilensteine sind unerlässlich
Das Panel diskutierte auch, wie Unternehmen Klimaziele verfolgen können, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu untergraben. Jia plädierte für einen schrittweisen Ansatz mit messbaren Meilensteinen und realistischen Investitionspfaden. Die erste Priorität wäre die Energieeffizienz. Unternehmen müssten zunächst unnötigen Energieverbrauch reduzieren und die Effizienz bestehender Prozesse verbessern. Der zweite Schritt würde sich auf den Ausbau erneuerbarer Elektrizität zusammen mit Speicherung, intelligenter Fertigung und digitalem Energiemanagement konzentrieren. Der dritte Schritt würde die Dekarbonisierung auf Lieferanten, Logistiknetzwerke und das gesamte industrielle Ökosystem ausweiten.
Jia verwies auf LONGis eigenen Nachhaltigkeitspfad als Beispiel für diesen schrittweisen Ansatz. Im Jahr 2024 machte erneuerbarer Strom 47,5 % des Stromverbrauchs des Unternehmens aus, während die operativen Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) im Jahresvergleich um 37 % sanken. In Kombination mit Hunderten von Energieeffizienzprojekten, KI-gestützter Fertigung und der Entwicklung der ersten Leuchtturm-Fabrik und CO2-neutralen Fabrikpraktiken der Photovoltaikindustrie zeigen diese Maßnahmen, wie messbare Fortschritte durch kontinuierliche Verbesserung statt durch isolierte Initiativen erzielt werden können.
Integrierte Energiesysteme stellen die nächste große Chance dar
Jia betonte immer wieder die Bedeutung der Systemeffizienz. Eine höhere Moduleffizienz bleibt wichtig. Effizientere Solartechnologie kann mehr Strom aus der gleichen Dachfläche, Landfläche und Infrastrukturinvestition erzeugen. Der nächste große Effizienzgewinn wird jedoch davon abhängen, wie Technologien zusammenwirken. Solarstromerzeugung, Speicherung und digitales Energiemanagement müssen als ein koordiniertes System geplant werden.
Dies erklärt auch LONGis Expansion über die Photovoltaik-Stromerzeugung hinaus. Mit LONGi ONE kombiniert das Unternehmen Rückkontakt-Photovoltaiktechnologie, Batteriespeicherung und digitales Energiemanagement innerhalb einer integrierten Architektur. Ziel ist es, Kunden dabei zu helfen, erneuerbaren Strom effektiver zu erzeugen, zu speichern, zu verwalten und zu nutzen, während gleichzeitig die wirtschaftliche Leistung erneuerbarer Energiesysteme verbessert wird.
Für CO2-neutrale Industrieparks wird diese Systemsicht immer wichtiger werden. Ihr Erfolg wird von der Fähigkeit abhängen, erneuerbare Erzeugung, Speicherung, industrielle Nachfrage, Infrastruktur und ESG-Anforderungen innerhalb eines koordinierten Rahmens zu verbinden.
Jias Beitrag spiegelte einen breiteren Konsens wider, der sich im Laufe der Diskussion abzeichnete: Die nächste Phase der Energiewende wird von koordinierten Energiesystemen abhängen, die in der Lage sind, erneuerbare Erzeugung, Speicherung und industrielle Nachfrage zu integrieren. Für CO2-neutrale Industrieparks hat dieser Übergang bereits begonnen.







